TESLA oder 1 billionstel Sekunde nach dem Urknall
Am Freitag den 12 Juli 2002 hat der deutsche Wissenschaftsrat grünes Licht für den
Bau des 33 Kilometer langen und 3,5 Milliarden Euro teuren Teilchenbeschleunigers
TESLA* mit einem dazugehörigen Röntgenlaser am Deutschen Elektronen
Synchrotron (DESY) gegeben. Mit TESLA sollen der Aufbau der Materie und der
Urknall ebenso erforscht werden wie neuartige Werkstoffe und der Ablauf der
Lebensvorgänge.
Im TESLA werden ein Elektron und ein Positron auf eine Energie von jeweils 250
Milliarden eV**. beschleunigt und in der Mitte des 33 Kilometer langen Speicherrings
in einer Reaktionskammer zur Kollision (e+e- Annihilation) gebracht. Ihr Energieniveau
entspricht dabei ungefähr dem, das diese Teilchen etwa 1 billionstel Sekunde nach dem
Urknall hatten und ermöglicht es hochenergetische Annihilationensprozesse zu simulieren.
Die aus dieser Kollision hervorgehenden Teilchen werden dabei von einem neuartigen
Röntgenlaser, dem TESLA X-Ray Laser, beoabchtet. Dieser Laser ist in der Lage,
hochintensive Röntgenstrahlung von sehr kurzer Dauer und sehr kurzer Wellenlänge
(1-10 nm) zu generieren und damit de Fakto eine Aneinanderreihung von
Momentaufnahmen der Kollision abzubilden. Der Einsatz dieser Technik macht es
erstmals möglich, mit einem Laser die Struktur eines Atoms, sowie einzelner Teilchen
als Momentaufnahmen darzustellen. Diese Technik ist notwendig, da die Teilchen, nach
denen geforscht werden soll, so schwer sind, dass sie erst bei Energien zwischen
100-300 Milliarden Elektronenvolt entstehen und danach sogleich wieder verschwinden.
Diese Teilchen heissen in der Physik HIGGS und SUSY Teilchen.
Das Universum wird von einem Feld durchdrungen, das Higgs-Feld genannt wird.
Nach der allgemein akzeptierten Higgs-Theorie entsteht Masse dadurch,
dass ein masseloses Teilchen durch Wechselwirkung mit dem Higgs-Feld Masse erhält.
Da dieses Feld jedoch sehr schwach ist, muss die Energie des masselosen Teilchens
sehr hoch sein, um das HIGGS Teilchen beobachten zu können.
Die Beobachtungsversuche nahebei 100 Milliarden eV. sind bisher ergebnislos
geblieben, was darauf schliessen lässt, dass das HIGGS Teilchen erst bei Energien sehr
viel grösser als 100 Milliarden eV. beobachtbar ist. Sollte sich die Existenz des HIGGS
Teilchens nachweisen lassen, so wäre das der bisher vergeblich gesuchte Beweis für eine
der wichtigsten physikalischen Theorien, der Weinberg Salam Theorie und
für ein Postulat, das als lokale Eichinvarianz von Isospinoperatoren bekannt ist.
Das Standardmodell der materiellen Physik besagt, dass jedes Teilchen einen Partner
hat, mit dem es zu einem masselosen Photon reagieren kann. Für die subatomaren
Teilchen, die Quarks, Leptonen, Gluonen und Vektorbosonen sind diese Partner jedoch
nicht bekannt. Um das Standardmodell dennoch aufrechtzuerhalten, wurde eine Theorie
entwickelt, die Supersymmetrie Theorie genannt wird und in der sogenannte SUSY
Teilchen als Partner für die Teilchen des Standardmodells vorhergesagt werden.
Aus den Berechnungen zur elektromagnetischen Kraft, der Schwachen
Wechselwirkung und der Starken Wechselwirkung weiss man, dass ihre Wirkungen
unter Hinzunahme von Supersymmetrieannahmen erst bei sehr hohen Energien
vergleichbare Werte annehemen, ergo lassen sich SUSY Teilchen auch nur bei sehr
hohen Energien nachweisen. Man hofft, dass zumindest soviel Energie erzeugt werden
kann, um das leichteste der SUSY Teilchen beobachten zu können.
Der Nachweis der SUSY Teilchen würde die Theorie von der allgemeinen Symmetrie
des Universums bestätigen und zu einem leichteren Verständnis der gesamten
Problematik von Symmetriephänomenen beitragen.
Der Nachweis der Supersymmetrie wäre ein indirekter Beweis für die Existenz von
Superstrings***, da die Superstringtheorie die Supersymmetrie vorhersagt. Damit
wäre dann die fehlende Verknüpfung zwischen der von der Superstringtheorie
vorhergesagten Gravitationswechselwirkung durch ein Graviton und den drei
anderen Wechselwirkungsarten hergestellt und es entstünde so die Möglichkeit,
auf der Basis der Superstringtheorie eine Universaltheorie für alle bisher
bekannten Wechselwirkungstheorien zu entwickeln.
Den Bau eines solchen Forschungszentrums kann man nur begrüssen. Damit hat
Deutschland neben einem herausragenden Forschungsstandort in Garching (Fusion)
einen weiteren in Hamburg(Kern und Elementarteilchen), der mit seiner
ausgezeichneten Ausstattung sowohl dem Fermi Lab bei Chicago, als auch dem
LHC bei Cern Konkurrenz machen kann. Man kann gespannt sein, welche
aufregenden neuen Entdeckungen uns aus diesem Forschungsstandort in der Zukunft
erwarten werden..
Vielleicht ist das Universum ja wirklich nur eine Ansammlung von Vibrationszuständen.
Wer weiss
Eure Sculd
* TESLA = TeV-Energy Superconducting Linear Accelerator
**eV = 1 Elektronenvolt ist diejenige Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen einer Beschleunigungsspannung von 1 V aufnimmt. Sie beträgt
1,602*10-19 J.
*** Superstring = Theoretisch ein aufgerollter und verdrillter zehn- bis elfdimensionaler String (Faden), der durch eine bisher unbekannte Form
zu vibrieren, alle bekannten Teilchen erzeugt.