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Autor: Sculd
Vom Tod des Intellekts
Und Gott sagte zu ihm: "Ich verdamme dich auf ewiges Leben!", doch Kain war es egal, denn für ihn war jede Hilfe zu spät.......
Eine neue Epoche ist angebrochen. Das Zeitalter des Multimedia. Nach dem von Nietzsche eingeleiteteten Tod der Religion gebirt die nach
Selbstsucht und Omnipotenz gierende, unterhaltungssüchtige Gesellschaft eine neue Gottheit, das Illuminat der Schöpfung, eine Verkörperung der
inneren Magie der Dinge, freigesetzt durch die Schöpfungskraft seiner Jünger, der Programmierer, den Virtuosen der Medialität des neuen
Zeitalters. Für diesen Personenkreis ist der Computer keine unbeseelte Maschine, sondern ein Fetisch. Sie erkennen die innere Magie des
Gegenstandes, empfinden weder Angst noch Respekt davor und verstehen sich darauf die Magie des Gegenstandes durch Erbauen desselben oder
Schreiben eines in seiner Wirkung einem Zauberspruch gleichenden Programmes zu erwecken. Die Schönheit der Schöpfung lässt sie dabei in der
Deklination der Synthese von Jüngern zu Hohepriestern aufsteigen und aus ihrer Überzeugung eine Religion werden. Verächtlich schauen sie dabei
auf die Gruppen der Nichtwissenden und Halbwissenden, denn ihnen obliegt nicht die Macht zur Omnipotenz, neidisch auf die Gruppe ihresgleichen,
denn noch grössere Omnipotenz ist gleichbedeutend mit einer das eigene Selbst bedrohenden totalitäreren Kontrolle durch die Praepotenz der
omnipotenteren Hohepriester. Den Illuminaten ist gemein, dass sich für sie die Seele der unbeseelten Maschine in einem erotischen Fetisch
manifestiert, der ihnen das hochverehrte und in seinem Glanz unerreichte Tor der Möglichkeiten aufstösst, den Pfad zu Macht und Kontrolle zu
beschreiten und diese auch auszuüben, sich über andere zu erheben und die eigene Werthaftigkeit vermittelt der Dinge des Zwecks zu erhöhen. Die
Symbiose aus Zweck und Macht lässt dabei eine emotionale Verbundenheit mit der Maschine entstehen, die eine Verarmung der sozialen Beziehungen
zur Folge hat und den fanatischen Programmierer zu einem asozialen Bestandteil der medialen Gesellschaft verkümmern lässt. Unfähig die Schönheit
der wahren Schöpfung zu erkennen, flüchtet er sich zunehmend in eine virtuelle Welt, derer er selbst mächtig ist und kompensiert damit die Defizite eines Realverlustes infolge von Krankheit, Behinderung oder seiner getrübten psychosozialen Wahrnehmungsfähigkeit. Er wird ein Opfer der von der Gesellschaft geforderten Mittel, derer er als einziger habhaft ist und wird von der Gemeinschaft der Gleichgesinnten gegen die Gesellschaft isoliert. Persönliche Kontakte entstehen im fortgeschrittenen Stadium dieser Genese kaum. Sie erfolgen in aller Regel virtuell und generieren damit den Prozess der Asozialisierung stets neu, aus dem für den Betroffenen ein Teufelskreis aus Sucht und zunehmender Unfähigkeit zu sozialem Verhalten erwächst. Vom Fetisch besessen, entwickelt sich neben den Attitüden der Asozialität eine Angstpsychose, deren Ursache in einer degenerativen Entartung des eigenen Ichs liegt, das nun gänzlich zu einem Teil des Fetisch geworden ist und zur Selbsterhaltung auf diesen nicht mehr verzichten kann. Das Werkzeug wird zum Beherrscher des Illuminaten und diktiert sein Denken und Handeln. Unfähig der Implementierung des Fetisch in das eigene Es zu entgehen, wird das eigene Ich zu einem Werkzeug der aus der Symbiose von Es und Fetisch hervorgegangenen Wahnvorstellungen. So wird ein Prozess eingeleitet, den ich als Der Tod des Intellekts bezeichne. Ein Prozess, der aufgrund der Multimedialisierung unserer Gesellschaft und der zunehmenden Bildungsverarmung zukünftig immer mehr Personen betreffen wird und einmal initiert, unumkehrbar ist. Wir sollten uns tunlichst davor hüten, die Computertechnik überzubewerten, um so den wahnbehafteten Fetischismus nicht noch mehr zu fördern. Ein Werkzeug ist in seiner Einfachheit bloss ein Werkzeug und nur der Geist einer in sich gefestigten Persönlichkeit, der dieses Werkzeug zu führen versteht und dem die integrale Fähigkeit innewohnt, Sinn und Nutzen des Zwecks vernünftig gegeneinander abzuwägen, gebietet der Gefahr die Stirn, der Besessenheit der eigenen Irrtümer zu erliegen und die wahre Schönheit der belebten Natur und realen Schöpfung als Ganzes zu vergessen. In diesem Sinne sollte unser Augenmerk ganz besonders auf dem Aspekt der kulturellen Bildung unserer Kinder liegen und eine Heranführung an die geistdurchdringende, multimediale Welt erst allmählich und ab einem bestimmten Reifegrad erfolgen. Der Dämon der Schuld könnte uns sonst bis in alle Ewigkeit im Fegefeuer der substantiellen Zersetzung der eigenen Seele gefangennehmen und langsam zerstören.
In diesem Sinne,
Eure Sculd
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