Vorstellung - NVIDIA's SLI -
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Einleitung

Nach der aufsehenerregenden Einführung der neuen 6800er Serie zaubert nVidia nun eine noch dickere Überraschung aus dem Hut. Die Verbindung zweier Grafikkarten. Seit der Voodoo 2 und der Ati Rage 128 Fury Maxx hat es SLI (Scalable Link Interface) nicht mehr gegeben. Was sich dahinter verbirgt und welche Vorteile und Probleme es mit sich bringt sagen wir euch in diesem Artikel.

Funktionsweise

Bei nVidia's SLI-Lösung werden zwei 6800 GT, zwei 6800 Ultra oder zwei Quadro FX 3400 zusammengeschaltet.
Zunächst einmal sei gesagt, daß auch Alienware mit ihrem ALX-System eine Lösung zur Verbindung zweier Grafikkarten parat hat. Doch während Alienware die Verbindung über eine zusätzliche Steckkarte und spezielle Software herstellt nutzt nVidia eine Brücke zwischen beiden Grafikkarten.

Bei früheren SLI-Lösungen wurde das Bild zeilenweise auf beide Grafikkarten aufgeteilt und später dann zu einem Ganzen zusammengefügt.
Die beiden neuen Lösungen verfahren anders:
Das Bild wird in zwei Teile gespalten und separat berechnet. Beim ALX-System ist die Aufteilung statisch auf 50% festgelegt, nVidia kann die Größe der Bildhälften durch Load Balancing variieren. Dies ist in sofern sinnvoll, als bei vielen Spielen der Rechenaufwand für die obere und untere Bildhälfte stark unterschiedlich sein kann. Man denke z.B. an Rennspiele wo im untern Bildteil Fahrzeuge und Rennpiste abgebildet werden müssen und im oberen Teil nur der Himmel.

FSAA und AF wird ohne Qualitätsverlust auch mit SLI darstellbar sein. Um zu verhindern das eine Bildhälfte vor der anderen dargestellt wird verwendet man einen Puffer. Somit ist Vsync nicht zwingend erforderlich.
Da beide Karten mit dem gleichen Takt arbeiten, müssen beide Karten vom selben Typ sein, am besten natürlich vom gleichen Hersteller. Overclocking wird auch mit SLI möglich sein, allerdings begrenzt selbstverständlich die weniger übertaktungsfreudige Karte den Takt beider Karten.
Leider konnten wir keine eigenen Benchmarks machen, so dass wir uns auf Herstellerangaben verlassen müssen. Alienware spricht bei 1600 x 1200 von einem Plus von 77% beim 3Dmark03 bei 8xFSAA und 8xAF, nVidia gar von 87% bei 4x FSAA und 8xAF. Inwieweit diese Ergebnisse repräsentativ sind wissen wir nicht, auf jeden Fall stimmen sie zuversichtlich das mit SLI ein weiterer leistungsmäßiger Quantensprung auf dem Grafiksektor innerhalb kurzer Zeit gelungen ist.

Probleme

Was sich zunächst phantastisch anhört birgt auch allerhand Probleme.
Zunächst einmal dürfte die Stromversorgung gleich zweier High-End-Karten die meisten Netzteile vor unlösbare Aufgaben stellen, nachdem nVidia schon für eine 6800 Ultra ein 480W Netzteil fordert. Eventuell könnten sogar zwei Netzteile nötig sein.
Durch die hohe Leistungsaufnahme kommt ein weiteres Problem hinzu : die riesige Abwärme. Zusammen mit einem High-End-Prozessor dürften die beiden Grafikkarten nur mit hohem Aufwand ordentlich zu kühlen sein.

Das größte Problem allerdings machen wohl die beiden benötigten PCI-Express x16 Steckplätze. Momentan gibt es keinen Chipsatz der 32 PCI-Express-Leitungen zur Verfügung stellen kann. Intels neue 775-Chipsätze 915/925 besitzen nur 20 Lanes.
nVidia hat sein SLI-System auf Intels nagelneuem E7525 "Tumwater" Worksation-Chipsatz präsentiert. Allerdings besitzt auch dieser nur 24 Lanes und konnte nur mit einem Trick für das SLI benutzt werden. Eine Grafikkarte arbeitet mit echtem x16-PCI-E, die andere auf einem 16x-PCI-E-Steckplatz mit nur 8x-Geschwindigkeit.
Insgesamt ist diese Lösung aber noch unbefriedigend, da so keine Leitungen mehr für zusätzliche PCI-E-Erweiterungskarten bleiben würden.
Außerdem dürfte SLI dann für Heimanwender ziemlich uninteressant sein, da im Workstationbereich horrende Preise fällig sind.


Hier sehen wir das von nVidia und Alienware verwendete Dual-Xeon Tumwater-Board mit zwei PCI-E-x16 Steckplätzen.

Aber auch mit einer günstigeren Plattform wäre SLI nicht gerade Preiswert. Allein die zwei High-End-Grafikkarten kosten allein schon ca. 1000€. Dazu kommen noch nicht unerhebliche Aufwendungen für Kühlung und Stromversorgung.
SLI wird es bei den "kleineren" nVidia-Karten nicht geben, weniger aus technischen Gründen, sondern vielmehr um den großen Modellen keine Marktanteile abzugraben.

Fazit

Daher denken wir daß, SLI, obwohl es schon für den September diesen Jahres angekündigt ist, längere Zeit viel zu exklusiv für den Massenmarkt sein wird.
Im Workstationbereich wird das System sich allerdings schneller etablieren können, da dort die finanziellen Barrieren wesentlich höher liegen. Ein paar Enthusiasten werden sicherlich auch ihr Sparschwein schlachten, aber die Verbreitung wird sich anfangs in sehr engen Grenzen halten. Vor allem ist das System als Prestigeträger zu sehen, mit dem nVidia seit langer Zeit wieder vor Ati klarer Benchmarkkönig ist.
In Zukunft könnte das System aber auch im Desktopbereich eine größere Rolle spielen. Es würde tolle Aufrüstmöglichkeiten bieten. Man kauft sich einfach noch mal die gleiche Karte, steckt sie dazu und hat plötzlich fast die doppelte Leistung.
Dafür müssten aber vor allem günstige Desktop-Plattformen her. nVidia als Chipsatzhersteller wird das Feature mit dem nForce4 zwar unterstützen, aber wichtig ist auch die Unterstützung durch die Mainboard-Hersteller.
Auf jeden Fall ist SLI ein sehr interessanter Ansatz. Wir hoffen, daß es nVidia gelingt das System zu etablieren.


Martin Bednarz

30.06.04


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